Fritz Gall –
Dem Wein seine Kunst, der Kunst ihre Wahrheit
Jessica Jarosch
Als „phantastischen Regionalismus“ definiert der
Künstler Fritz Gall seinen persönlichen Zugang zum zentralen Thema der
Wachau: Der Wein ist Ausgangspunkt und Aussage seiner Schöpfungen, die
Materialien der Weinkultur bestimmen seine Werkstoffe.
Immer häufiger begegnen „Weinskulpturen“ an
prominenten Plätzen der Wachau. An der Donauuferstraße bei Krems oder nahe
dem Stift Göttweig erheben sie sich unübersehbar über die Inseln inmitten
der Kreisverkehre. Dezenter und dennoch als attraktiver Blickfang haben sie
private Gärten, öffentliche Gebäude, Weinkeller und Ausstellungsräume
erobert. Es sind faszinierende Gestalten, die trotz aller Modernität und
zeitgemäßer Materialästhetik viel Bodenständiges an sich haben. Wer den Wein
kennt und ihn liebt, dem öffnet sich auch der Zugang zu den Kunstwelten
Fritz Galls.
Rebstöcke, Reben, Faßreifen und –dauben,
Weingartendraht, Weinflaschen, aber dominant auch der glänzende Edelstahl
der Weintanks, prägen Galls Weinskulpturen. Diese vertrauten Materialien
sind es, die mühelos den Brückenschlag zwischen zeitgenössischer Kunst und
traditioneller Heimatverbundenheit bewältigen. Gewachsenes verbindet sich
gekonnt, ja geradezu selbstverständlich mit einem geometrischen
Formenrepertoire: Obelisken, abstrakte Weinengel und skurrile
Weingartenvögel sind für Winzer und Wachauer Symbole der Identifikation.
Kunst als Liebeserklärung an den Wein
Sie haben die Herzen der Bewohner und
Besucher gleichermaßen auf ihrer Seite und fühlen sich spontan auch in
anderen Weinbauregionen der Welt heimisch. Denn längst haben die
Kunstschöpfungen Fritz Galls die Grenzen Österreichs überschritten:
Ausstellungen und Auftragswerke führten nach Deutschland, der Schweiz und
immer wieder nach Italien; 2003 werden Weinskulpturen erstmals in New York
zu bewundern sein.
Für Fritz Gall selbst ist die Ausstellung in
den USA beinahe so etwas wie die Rückkehr zu den Anfängen, das Schließen
eines Lebenskreises. In den Museen, Galerien und Ateliers der neuen Welt
fand vor rund zehn Jahren und im Kontext beruflicher Neuorientierung der
Urknall der künstlerischen Inspiration statt. 1996 schuf der gelernte
Elektroingenieur daraufhin seine ersten Skulpturen aus Holz und Stahl und
näherte sich damit dem Kunstwerk Wein von der Seite seiner
charakteristischen Materialien. Nierosta und Weingehölz vereinigten sich zu
spitz aufragenden Fruchtbarkeits- und Ewigkeits-Symbolen, alter
Weingartendraht formte die Ur-Beere der Weinkultur, und die knotig
verrenkten Rebstöcke wurden zu Tierkörpern umgedeutet.
Fritz Galls schöpferische Kraft eroberte
längst auch das Ausdrucksmittel Tafelbild. Was sich erdig und farbig auf der
Leinwand präsentiert, hat seine Wurzeln unverkennbar in wein-sinniger
Gestaltungsfreude: Galls Lößbilder porträtieren bekannte Weinsorten, setzen
bestimmte Geschmacksrichtungen in Struktur und Farbigkeit um. Hier wird
Kunst zum kulinarischen Genuß.
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